Südafrika: Was für eine turbulente Zeit!

Molweni, sibulisile! – Hallo, wir grüßen Euch!

Wir können es nicht so ganz wahrhaben, dass wir schon sechs Wochen in Afrika sind. Jeden Tag erleben wir so viel Neues und die Zeit vergeht wie im Flug.

Was für eine turbulente Zeit!

Bild: ©2016 Pax-Bank/Gregor Loers,Andreas Köll

Wir haben vom 5. - 7. März das von Mthatha 400 Kilometer entfernte Durban besichtigt, eine Großstadt an der Ostküste Südafrikas. Wir waren erstaunt: Durban ist das komplette Gegenteil des von Armut geprägten Mthatha. Durban ist eine wichtige Industrie- und Hafenstadt und außerdem ein beliebtes Ziel von Touristen. So unterscheidet sich dort kaum etwas von einer europäischen Stadt. Der direkte Vergleich von Arm zu Reich hätte kaum deutlicher sein können. Aber auch die Arbeit ging für uns weiter und davon möchten wir Euch natürlich auch berichten.

Gregor Loers:

Ich möchte Euch ein Erlebnis schildern, welches mich sehr glücklich gemacht hat.
Wie Ihr bereits wisst, unterrichte ich in der Schule Mathematik, Englisch und Lifeskills. Neben dem Unterricht ist es natürlich auch meine Aufgabe, die Schüler zu betreuen und mich mit Ihren Problemen zu beschäftigen. So gibt es einen Jungen namens Buhle (ausgesprochen: Buchley). Er fällt oft durch sein negatives Verhalten auf, rennt aus der Klasse, wirft Gegenstände durch die Gegend und demoliert die Einrichtung. Die ausgebildeten Sozialarbeiter reagieren darauf mit Autorität, betrafen die Kinder mit “leichter” Gewalt oder sperren sie in eine dunkle Kammer. Kurzfristig ist es vielleicht eine Lösung, die ich dennoch nicht empfehlenswert finde und deshalb habe mir dann eine alternative Möglichkeit überlegt. Mit erstaunlichem Ergebnis:
An einem außerordentlich schlechten Tag von Buhle habe ich Ihn aus der Klasse mit nach draußen genommen und versucht, Vertrauen aufzubauen. Glücklicherweise hatte ich mein Smartphone dabei, auf dem ich eine Menge Musik gespeichert habe. Darunter auch viele klassische Stücke. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass ein südafrikanischer, kleiner Junge mit klassischer Musik vertraut ist? Ich nicht! Und so habe ich Buhle in eine ganz neue Welt eintauchen lassen und versucht, mit Händels “Messias” sein Vertrauen zu gewinnen. Von jetzt auf gleich änderte er vollkommen sein Verhalten und war wie in Trance wegen dieser fantastischen Musik. Dieses Erfolgserlebnis hat mein Musikerherz höherschlagen lassen. Doch das ist noch nicht alles: Buhle kommt nun jeden Morgen zu mir und verlangt nach Händels Musik. So übersteht er mittlerweile jeden Tag ohne große Probleme! Dies ist unbeschreiblich schön!
Nächste Woche starten hier die Osterferien und ich werde mit einem anderen freiwilligen Helfer eine Woche lang eine Urlaubstour machen. Wir werden die Garden Route an der der Küste des Indischen Ozeans entlangfahren und auch davon werde ich Euch nächste Woche ausführlich berichten!

Andreas Köll

Ich bin die letzten Wochen weiterhin meiner Tätigkeit im Office nachgegangen und es ist mittlerweile zum Alltag geworden. Ich habe in vielen Bereichen Ordnung schaffen können. Wie zum Beispiel in der Sortierung und Nummerierung der Verhaltensregeln, die in insgesamt fünf vollgepackten Ordnern zu finden waren. Mit dem Treffen zur Vereinfachung des Geldsystems hat es leider nicht geklappt. Auch hatte ich in den vergangenen Wochen mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und so habe ich mich entschieden, vorzeitig abzureisen. Ich gehe aber mit einem guten Gefühl zurück nach Hause. Ich habe sehr viele Erfahrungen sammeln können, positive wie negative. Es war eine sehr bereichernde Zeit, in der ich viel über die Welt und mich selbst lernen durfte. Mit meinem letzten Arbeitstag vor den Ferien habe ich hier meine Arbeit erledigt. Ich freue mich nun wieder zurück nach Deutschland zu kommen und meine Liebsten an meiner Seite zu haben.

Gregor und ich hatten gemeinsam eine wunderbare und tolle Zeit und nun sagen wir das letzte Mal zusammen:Sakube sibanone – und bis nächste Woche!!