Südafrika: Oh leever Jott, jev uns Wasser

20. Februar - 28. Februar, 4. Bericht

Wir haben Februar, wir haben Sommer, wir haben 47 Grad in der Sonne, wir haben viel Arbeit, jedoch leider kein Wasser.

Sonnenaufgang auf dem Weg zur Kirche um 06:00 Uhr

Bild: Sonnenaufgang auf dem Weg zur Kirche um 06:00 Uhr

Mit diesem Satz kann man unsere Woche treffend beschreiben. Südafrika ist zwar eines der modernsten Länder des afrikanischen Kontinents, doch auch hier kann es einmal vorkommen, dass das wohl wichtigste Nahrungsmittel knapp wird oder gar zur Neige geht.
In unserem Fall betraf dies für vier Tage zwar "nur" das Leitungswasser – aber das bei der oben genannten Temperatur. In der Stadt wurde ein Rohrbruch festgestellt und so konnte das Wasser nicht mehr bis zu uns gelangen und unsere verschwitzten Körper erfrischen. Somit mussten wir auf die Regenwassertonne zurückgreifen und das vor allem sehr, sehr sparsam. Wir wollen euch nicht näher erläutern, wie es sich anfühlt, bei 47 Grad in der Sonne draußen zu arbeiten, um dann auf eine erfrischende Dusche verzichten zu müssen. Doch eines können wir festhalten: Der Freudenschrei beim ersten Tropfen aus dem Hahn war nicht zu überhören und erinnerte an das gewonnene WM-Finale 2014!!! Eine Erfahrung, die wir in Deutschland höchstwahrscheinlich niemals machen werden: Die Selbstverständlichkeit, unbegrenzt über Wasser zu verfügen. Dies zu erleben, veränderte erneut unsere Einstellung zu den Dingen, die man in Deutschland als selbstverständlich ansieht. Nun haben wir glücklicherweise wieder Wasser und natürlich sind auch die Temperaturen zurückgegangen - warum sollte es auch anders sein?!

Doch was haben wir neben dieser neuen Erfahrung erlebt? Jeder von uns ist in seinem „Alltag“ angekommen und wir arbeiten mittlerweile getrennt voneinander.

Bericht von Andreas Köll

Andreas Köll - Viel Arbeit in der Verwaltung
Andreas Köll - Viel Arbeit in der Verwaltung

Ich (Andi) arbeite jetzt  in der Verwaltung der Einrichtung. Im Office wurde eine Stelle frei und Hilfe benötigt. Ich kümmere mich um die Finanzen, mache Kurierfahrten in die Stadt, unterstütze die Jugendlichen bei bürokratischen Fragen und übernehme kleinere Aufgaben, die zu meistern sind! Die Verwaltung der Löhne für die Auszubildenden der Einrichtung erfolgt hier sehr aufwändig, denn für jeden der insgesamt 70 Trainees wird das Geld in einem Umschlag aufbewahrt. Das Ein- und Auszahlen und Wechseln der Scheine benötigt wahnsinnig viel Zeit und durch die handgeschriebenen Rechnungen ist die Fehlerquote recht hoch.

Ich habe mir daher ein System mit Hilfe von Excel überlegt, um die Situation zu verbessern. Dafür entwerfe ich für jeden Auszubildenden eine Tabelle, übernehme jegliche Belege und durch die Summenfunktion werden die Rechnungen automatisch und vor allem ohne Fehler fertig gestellt. So kann das gesamte Geld in einer einzigen Kasse aufbewahrt werden und die zeitraubenden Geldwechsel haben endlich ein Ende.

Meine Idee stellte ich bei der allmorgendlichen Tea-Time vor, stieß aber bei einer der südafrikanischen Schwester auf großes Misstrauen. Sie hatte die Befürchtung, dass man so das Geld eines einzelnen ja dann faktisch nicht mehr in der Hand halten könne, falls einer der Familienmitglieder vorbeikommt, um das Geld zu kontrollieren. Dass man das Geld dann aus der Kasse nehmen könne, schien sie nicht zu akzeptieren, da es ja dann nicht genau das Geld des Trainees sei. Sie zu überzeugen, stellte ich als unmöglich heraus. Ich sprach daraufhin mit der leitenden Schwester und sie bat mich eine Powerpoint-Präsentation vorzubereiten, um meine Idee vor dem Finanzausschuss und einigen Eltern vorzustellen. Ich bin sehr gespannt, wie meine Idee von diesem Plenum aufgenommen wird und hoffe so eine Erleichterung und verbesserte Prozesse einführen zu können. Ein Termin steht leider noch aus, vielleicht wissen wir nächste Woche schon mehr. Ich werde berichten.

Bericht von Gregor Loers

Gregor Loers und Sikelella
Gregor Loers und Sikelella

Ich (Gregor) bin in der Schule eingesetzt und unterrichte dort fünf- bis siebenjährige Schüler. Die Schule ist ebenfalls Teil der Einrichtung. Dort leben 75 Kinder bis zu sieben Jahren, manche leben seit dem ersten Lebensjahr dort, manche sind erst mit fünf Jahren hierhin gekommen. In dieser Woche konnte ich die Kinder besser kennenlernen und habe von einigen erfahren, welche Vergangenheit hinter ihnen liegt.

Zum Beispiel Sikelella, ein kleiner, aufgeweckter Junge von sechs Jahren, wurde auf der Straße gefunden und von Sozialarbeitern in unsere Einrichtung gebracht. Es ist phänomenal zu erleben, wie dieser kleine Junge den ganzen Tag strahlt und uns mit seinem Lächeln ansteckt. Wenn man bedenkt, was er durchmachen musste, ist das für mich sehr erstaunlich. Sikelellas Körper ist gezeichnet von Schlägen und anderen grausamen Taten, die ich gar nicht näher erläutern möchte! Der Unterschied zwischen seiner und meiner Kindheit ist gewaltig, ich frage mich, wie er seinen Alltag mit so viel Freude, Spaß und Lebensmut bestreiten kann - trotz dieser Vergangenheit?! Sikelella kann es, und er zeigt mir, dass es nicht der Materialismus und der Konsum ist, die uns glücklich machen. Es sind die menschlichen Begegnungen, die uns ausmachen und uns aus einem Tal der Trostlosigkeit und Einsamkeit herausholen können. Genau diese Erfahrung werde ich mitnehmen und sie wird mich in meinem weiteren Leben begleiten!

In diesem Sinne sagen wir Tschüss - Sakube sibanone - und bis nächste Woche!!

Gregor und Andreas