Südafrika: Ein eindrucksvoller Ausflug

12. Februar - 19. Februar, 3. Bericht

Die zweite Woche Südafrika ist vorbei und wir leben uns so langsam ein. Man gewöhnt sich an die Temperaturen, an das Klima und die Gepflogenheiten. Die ersten aufregenden Eindrücke sind nun Alltag geworden.

Jetzt sind wir hier so richtig eingespannt. Unser erstes Projekt war die Verbesserung des Fußballplatzes. Wir bestellten einen Berg Sand, füllten Löcher aus und machten alles richtig perfekt. Da kommt dann die Mentalität des „peniblen Deutschen“ hervor. Doch nun können die Kinder und Jugendlichen wieder richtig Fußball spielen, ohne sich zu verletzen.

Seit Montag arbeiten wir in einer Vorschule des Kinderheims Bethanys, die sich auf dem Areal befindet. Dort unterrichten wir die Vier- bis Sechsjährigen in Englisch, Mathematik und in den sogenannten Lifeskills. In diesem Fach lernen sie alltägliche Dinge, wie zum Beispiel eine Ampel funktioniert. Unser Arbeitstag beginnt um 08:00 Uhr und endet gegen 17:00 Uhr. Morgens ist Schule angesagt und nachmittags betreuen wir die Kinder und halten sie ein wenig auf „Trab“. Die Arbeit erfreut uns sehr, ist aber auch ganz schön anstrengend. Alle sind mit ihrem Wissensstand auf sehr unterschiedlichen Levels. Es gibt Kinder, die eine Mathe-Aufgabe in wenigen Minuten rechnen, anderen muss man erst zeigen, wie man einen Stift in der Hand hält.

Letztes Wochenende waren wir in Coffee Bay, einem kleinen Dorf am Ufer des Indischen Ozeans. Dort haben wir eine Welt vorgefunden, die man gewöhnlich aus der Werbung kennt. Wunderschöne Palmen, blaues Meer und exotische Tiere. Nachts konnten wir den Anblick der Milchstraße bestaunen. Diese Eindrücke werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Ich (Gregor) möchte gerne von einer prägenden Erfahrung berichten, die Andi leider nicht mitbekommen hat, da er in der Zeit andere Kinder betreute. Somit weiche ich von der Wir-Perspektive ab und schildere diese Erfahrung aus meiner Sicht:

Vergangenen Mittwoch stand für etwa 30 Kinder ein Ausflug an. Mit ca. 80 Blumensträußen im Gepäck fuhren wir an den Stadtrand von Mthatha. Dort wollten wir ein Altenheim besuchen und den älteren Menschen eine Freude machen. Sicherheit steht in Südafrika nicht an oberster Stelle und so quetschte ich mich mit zehn „kleinen Strolchen“ in den Kofferraum eines Geländewagens und genoss mehr oder minder die Fahrt über holprige und kurvenreiche Straßen. Nach gut einer halben Stunde erreichten wir das Altenheim und statteten jedes Kind mit einem Blumenstraß aus. Dann hieß es kräftig und laut zu singen, um so den älteren Menschen ein kleines Geschenk zu machen. Es war toll zu erleben, welche emotionale Freude diese kleine Geste der Kinder bei den Bewohnern auslöste. Doch dieser freudige Eindruck sollte später von einer anderen Erfahrung abgelöst werden.

Gut gelaunt verließen wir das Altersheim mit der Erkenntnis, dass wir noch ungefähr 30 Sträuße übrig hatten. Nach kurzer Absprache beschlossen wir, die übrigen Blumen in ein Behindertenheim für Erwachsene zu bringen. Wieder ging es über unwegsame Straßen bis zu einer Anhöhe. Dort angekommen war der Ablauf wie zuvor. Jedes Kind erhielt einen Blumenstrauß, der laut singend übergeben wurde. Die Freude der Menschen wurde allerdings überschattet von dem trostlosen Eindruck des Heims, das man keineswegs mit einer Einrichtung in Deutschland vergleichen kann. Ich sah mir ein wenig die Umgebung an und entdeckte in einer dunklen Ecke eine Frau im Rollstuhl, ausgegrenzt von dem Rest des Geschehens. Der Frau fehlten beide Beine und sie saß mit gesenktem Kopf. Dieser Anblick machte mich ziemlich traurig. Ich entschloss mich, dieser Frau einen Strauß zu überreichen und legte ihr die Blumen in die Hand. Dann passierte jedoch etwas, was mich erstarren ließ. Sie schaute die Blumen kurz an und steckte sie sich anschließend in den Mund. Unfähig zu reagieren, schlug ich lediglich Wurzeln in den afrikanischen Boden. Zum Glück kam just in dem Moment eine Pflegerin, die der Frau die Blumen wieder wegnahm.
Diese Erfahrung machte mir wieder bewusst, dass wir hier in einer ganz anderen Welt leben. Diese Frau wird niemals integriert sein, sondern jeden Tag in dieser dunklen Ecke sitzen. Sie wird niemals professionelle Hilfe bekommen, sondern den Rest ihres Lebens in dem verwahrlosten Heim verbringen. Und warum? Weil sie in Südafrika geboren ist und dort keine Chance auf Hilfe hat.

Das Leben hier regt uns sehr zum Nachdenken an und wir danken jeden Tag für die Begegnungen und Momente, die unser Leben bereichern.

In diesem Sinne sagen wir Tschüss – Sakube sibanone – und bis nächste Woche!!

Gregor und Andreas