Die Musik als Lebensretter

Man hätte im Bonner Münster-Carré eine Stecknadel fallen hören können. Gebannt von ihren Berichten über das barbarische Regime der NS-Zeit, lauschten die 130 Gäste den Erzählungen von Anita Lasker-Wallfisch.

Gedenkveranstaltung "Nicht Wegschauen und Verdrängen – Gedenken" - Anita Lasker Wallfisch - © Daniel Könen

Anita Lasker Wallfisch - © Daniel Könen

Die 91-jährige ist eine der letzten Überlebenden des jüdischen Mädchenorchesters. Verschleppt vom Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ins KZ Bergen-Belsen wurde sie dort zum Musizieren im Mädchenorchester gezwungen. „Damals wusste ich natürlich nicht, dass dies meine Lebensrettung sein würde“, sagte sie den Gästen der Veranstaltung „Gedenken – Nicht Verdrängen und Wegschauen“.

Den vielen jungen Menschen gingen die Erzählungen Lasker-Wallfischs bis ins Mark: „Wie können Menschen ihren Mitmenschen nur so ein Leid antun?“, fragte sich die 16-jährige Lisa, die zusammen mit ihren Klassenkameradinnen den Erzählungen lauschte.

Der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln hatte zusammen mit der Pax-Bank zu dieser Gedenkveranstaltung eingeladen. „Ich bin sehr froh über die rege Teilnahme“, sagt Diözesangeschäftsführer Norbert Michels und ergänzt „wir mussten sogar 30 Interessierten absagen, weil diese nicht mehr in den Raum gepasst hätten“.

Musikalisch wurde die Feier zum Gedenken an die Opfer der Reichskristallnacht von der Klezmer-Gruppe „A Tickle in the Heart“. In seiner Begrüßungsrede forderte Bonns Bürgermeister Reinhard Limbach dazu auf, Menschen, die Leid ertragen haben, nicht zu vergessen.

Ein gemeinsames Friedensgebet, welchem der Bonner Stadtdechant Monsignore Wilfried Schumacher und der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Bonn, Pfarrer Eckart Wüster, vorstanden, führte in den Abend ein.