Crowdfunding

Wenn Papa plötzlich anders ist

"Mein Papa hat Trauma" – unter diesem Motto steht die aktuelle Crowdfunding-Initiative der Katholischen Familienstiftung für Soldaten. Es ist das bislang größte Projekt der Pax-Bank-Plattform.

Eines Morgens fand die kleine Ida* ihre Mutter weinend in der Dusche. Zusammengekrümmt und zitternd lag sie am Boden. "Ich habe Bauchschmerzen", versuchte sie die Tochter zu beruhigen. "Du weißt doch, das habe ich in letzter Zeit öfter mal." Natürlich wusste Ida das. Die häufigen Attacken ihrer Mutter machten ihr Angst. Selbst Bauchschmerzen zu bekommen, das war für die Kleine mittlerweile eine Horrorvorstellung. Denn dann ginge es ihr sicher so schlecht wie Mama.

Heute weiß Ida: Ihre Mutter hat keine Bauchschmerzen. "Mama ist wieder bei ihren Schatten" nennt sie es jetzt. Den Ausdruck hat sie aus einem Buch, das auf kindgerechte Weise erklärt, was ihre Mutter seit Monaten quält. Seit sie aus einem Auslandseinsatz zurückgekehrt ist, leidet die Soldatin an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

"Kinder wie Ida gibt es mehrere Hundert in Deutschland. Spezielle Hilfsangebote aber gibt es bislang nicht für sie", erklärt Rainer Krotz, Vorstand der Katholischen Familienstiftung für Soldaten. Um hier für ein Umdenken zu sorgen, hat die Stiftung gemeinsam mit der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (KAS e.V.) das Projekt "Mein Papa hat Trauma" initiiert – ein Hilfsprogramm, das bewusst die Kinder in PTBS-belasteten Bundeswehrfamilien in den Mittelpunkt rückt. In Ergänzung zu der bereits laufenden Behandlung des oder der Betroffenen wird den Familien ein erfahrener Coach an die Seite gestellt, der die Kinder durch diese schwierige Situation begleitet.

Finanziert werden soll das Projekt über die Crowdfunding-Plattform der Pax-Bank. 10.000 Euro sollen fünf Familien die entsprechende Begleitung ermöglichen. "Das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein", weiß Krotz. "Aber wir hoffen, auf diesem Weg eine breitere Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren." Dass das gelingen könnte, hat bereits die Fanphase gezeigt. In nur zwei Tagen haben sich über 100 Unterstützer gefunden, sodass das Projekt Mitte Oktober in die Finanzierungsphase eintreten konnte.

Als Coach wird Martina Müller, Gründerin der Kölner Firma amitum, den Familien zur Seite stehen. Seit mehreren Jahren schon arbeitet sie mit betroffenen Soldatenfamilien. "Über 250 Seminartage habe ich schon mit solchen Familien verbracht", berichtet sie. "Dabei habe ich oft hautnah die Sorgen der Kinder erfahren." Viele verstünden nicht, was in ihren Eltern vorgeht. "Aber sie merken, dass sie und ihre Probleme in der Familie plötzlich nur eine untergeordnete Rolle spielen." Eine mögliche Folge: Sie machen sich unsichtbar. Andere drehen auf, suchen sich außerhalb der Familie ein Ventil, werden manchmal sozial auffällig.

Um diesen Kindern zu helfen, erklärt Müller, müssten die bestehenden Seminarangebote ergänzt werden durch "eine kontinuierliche Betreuung in den Familien über mehrere Wochen oder auch Monate hinweg". Dabei lernen die Familien zunächst, das Thema aus der Sprachlosigkeit zu holen. Sie bekommen Wege aufgezeigt, wie die Situation der betroffenen Eltern kind- und altersgerecht erklärt werden kann – das mit den Schatten ist eine der Möglichkeiten. In einem zweiten Schritt will Müller dann gemeinsame positive Erlebnisse zwischen Eltern und Kindern schaffen. Das kann ein Waldspaziergang sein oder eine Kanufahrt. "Hauptsache, alle haben mal wieder schöne Momente zusammen."

Unterstützung findet das Anliegen der Familienstiftung in Politik und Kirche. "Kinder haben sehr feine Antennen. Sie merken, wenn es ihren Eltern nicht gut geht und leiden darunter, werden im schlimmsten Fall sogar selber krank", betont die Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michaela Noll. Deshalb brauchten sie jemanden, "der ihnen zuhört, ihre Sorgen ernst nimmt und ihnen erklärt, warum sich Vater oder Mutter so verändert haben". Auch Militärbischof Franz-Josef Overbeck hofft, dass das Crowdfunding-Projekt Erfolg hat. "Da es um unsere Soldatinnen und Soldaten und deren Familienangehörige geht, ist es mir ein besonderes Anliegen, auf dieses Projekt hinzuweisen. Ich tue dies gerne, denn es geht sowohl um das leibliche als auch das seelische Wohl derjenigen, die in der Ausübung ihres Dienstes zu Schaden gekommen sind", betont der Bischof.

Unter www.wo2oder3.de. können Sie das Projekt unterstützen. Die Finanzierungsphase läuft noch bis Mitte Januar.

*Name von der Redaktion geändert