Crowdfunding

Kinderspass aus der Spielebox

Vom Crowdfunding wusste er wenig. Doch dann machte ihn ein Pax-Bank-Mitarbeiter auf die bankeigene Plattform wo2oder3.de aufmerksam. Wäre das nicht etwas für die Katholische Familienstiftung für Soldaten, der Rainer Krotz vorsteht? Krotz arbeitete sich ein – und realisierte erfolgreich sein erstes Crowdfunding-Projekt.

Crowdfunding: Kinderspaß aus der Spielebox - Foto: shironosov/iStockphoto

Foto: shironosov/iStockphoto

Auf dem Katholikentag 2012 in Mannheim hatte Militärbischof Franz-Josef Overbeck die Katholische Familienstiftung für Soldaten gegründet. Sie stellt finanzielle Mittel für die Familienarbeit der Katholischen Militärseelsorge in der Bundeswehr, der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung sowie der Familienforschung des „Zentralinstituts für Ehe und Familie in der Gesellschaft“ an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zur Verfügung.

Das erste Crowdfunding-Projekt sollte etwas Überschaubares sein, darüber war man sich einig bei der Stiftung. Schließlich wollten alle Beteiligten erst einmal Erfahrung mit der neuartigen Fundraising-Methode sammeln. Da traf es sich gut, dass das Katholische Militärdekanat Berlin zuvor mit einem Anliegen bei der Stiftung vorstellig geworden war. Militärdekan Stephan van Dongen wünschte sich für seine Seelsorger eine 1.800 Euro teure Spielebox, wie sie die Familienstiftung bereits für andere Militärpfarrämter finanziert hatte: zwei Kisten mit einem üppigen Bastel- und Spielesortiment für Kinder im Alter von null bis zehn Jahren – der ideale Begleiter bei Familienveranstaltungen der Militärseelsorge, seien es Workshops, Sommerfeste oder Familienwochenenden.

„Ich rechnete nach“, erzählt Vorstand Rainer Krotz. „Die Pax-Bank macht die Zusage, dass sie jede erstmalige Spende von mindestens zehn Euro mit weiteren fünf Euro unterstützt. Es musste uns also gelingen, 120 Menschen zu einer Zehn-Euro-Spende zu motivieren, dann kämen 1.200 Euro zusammen, und die Bank würde die fehlenden 600 finanzieren.“ Aus dieser Rechnung ergab sich auch der Name für das Crowdfundingprojekt „120 für Kinderspaß“.

Erfolgreiches Crowdfunding – das machte Pax-Bank-Beraterin Carola Weirich ihrem Kunden von Anfang an deutlich – steht und fällt mit der Kommunikation. Nur wenn es gelingt, öffentliche Aufmerksamkeit für ein Projekt zu wecken, kann die erforderliche Summe im vorgegebenen Zeitraum von drei Monaten zusammenkommen. Die Katholische Familienstiftung für Soldaten nutzte hierzu unter anderem die Möglichkeiten der Pax-Bank-Plattform sowie die verschiedenen Medien der Militärseelsorge – online und offline. Darüber hinaus ließ sie in Kooperation mit der Bank Werbepostkarten sowie vorgefertigte Überweisungsträger drucken.

Und doch machte der Stiftungsvorstand einen Fehler:  „Wir haben den Rat unserer Beraterin, das Projekt über die ganze Laufzeit kontinuierlich zu bewerben, nicht ernst genug genommen.“ Als nach zwei Wochen bereits knapp die Hälfte der benötigten Summe beisammen war, glaubte sich Krotz schon fast am Ziel. Die Folge: Das Spendenaufkommen ging rasant zurück. Davon aufgeschreckt, startete die Stiftung einen „PR-Weckruf“ über Facebook und die Onlinemedien der Militärseelsorge. Prompt stiegt das Aufkommen an Förderzusagen wieder an. Weitere Spenden kamen auf dem Katholikentag in Leipzig hinzu, sodass das Förderziel von 1.800 Euro letztlich doch erreicht wurde.

Hoch erfreut zeigt sich Militärdekan van Dongen über den Erfolg. Die Spielebox sei „eine wirkliche Bereicherung“ für die Militärseelsorge. Statt sich mit einzelnen Spielen zu behelfen, könnten die Seelsorger nun aus dem Vollen schöpfen. Gesellschaftsspiele, Bastelmaterialien, Bauklötze, Bälle und vieles mehr enthält die Box, schon das Auspacken stellt ein kleines Abenteuer dar. „Für die Kinder ist die Box ein echter Schatz“, betont der Geistliche.

„Unser erstes Crowdfunding-Projekt war ein Erfolg auf der Zielgeraden“, resümiert Rainer Krotz. Die Katholische Familienstiftung habe hier eine zeitgemäße Fundraisingform kennengelernt, mit der sich neue, jüngere Spender-Zielgruppen erschließen lassen. Die im ersten Anlauf gewonnenen Erfahrungen möchte Krotz demnächst in ein neues Projekt einfließen lassen. Die Stiftung widmet sich dabei einem sehr ernsten Thema, nämlich der Sorge um Kinder in Bundeswehrfamilien, bei denen ein Soldat unter einer einsatzbedingten posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Es soll ein Pilotprojekt zur Stärkung von Kindern finanziert werden, die unter dieser Situation besonders leiden. Hierzu hat die Stiftung im Sommer einen PR-Fahrplan konzipiert. „Und diesmal werden wir wirklich kontinuierlich kommunizieren“, betont Krotz.

Neues Projekt "Mein Papa hat Trauma" ist seit dem 07.10. online!

Im neuen Projekt geht es um die Hilfe für Kinder in Bundeswehrfamilien mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Familien, bei denen bei Vater oder Mutter aufgrund der Erlebnisse während eines Auslandseinsatzes eine posttraumtische Belastungsstörung vorliegt, erhalten Begleitung durch einen erfahrenen Coach. In Ergänzung zur bereits laufenden Behandlung des/der Betroffenen kümmert sich der Coach um die Kinder, wirkt einer Entfremdung und Vereinsamung entgegen und stärkt die Eltern-Kind-Beziehung. Hier geht es direkt zum Projekt: