Finanzen im Erbistum Köln

Vermögen ist Mittel zum Zweck

Seit über 20 Jahren ist Hermann J. Schon Finanzdirektor im Erzbistum Köln. Im Interview spricht der Ökonom über Transparenz, die Anlagekriterien der mitgliederstärksten deutschen Diözese und die Herausforderungen der Niedrigzinsphase.

Finanzen im Erbistum Köln: Vermögen ist Mittel zum Zweck - Foto: Elisabeth Schomaker/dreipunktdrei

Foto: ©Elisabeth Schomaker/dreipunktdrei

Herr Schon, wodurch unterscheidet sich Ihr Job von dem eines Finanzchefs in einem säkularen Unternehmen?

Hermann J. Schon: Wir sind eine kirchliche Verwaltung, die mit dafür sorgen muss, dass den Menschen das Evangelium nahegebracht werden kann. Dies tun wir dadurch, dass wir mithilfe der Kirchensteuer die materiellen Voraussetzungen möglichst nachhaltig schaffen. In einem Industrieunternehmen muss der Finanzvorstand in gleicher Weise in Produkten und deren Effizienz denken. Da gibt es durchaus Parallelen. Dabei kommt uns zu Hilfe, dass wir im Gegensatz zu manchem Wirtschaftsunternehmen über sehr flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege verfügen und somit Projekte effizient durchgeführt werden können. Wenn ich auf meine konkreten Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten schaue, so vergleiche ich uns scherzhaft auch gerne mit einem Gemischtwarenladen, da diese Vielfalt an inhaltlichen Aufgaben mit ihren jeweils unterschiedlichen wirtschaftlichen Komponenten wohl nirgends vergleichbar vorzufinden ist. Manche Entscheidungen treffen wir naturgemäß anders, als Wirtschaftsunternehmen dies tun: Wenn wir eine neue Schule bauen oder die Bonner Münsterkirche mit einem zweistelligen Millionenbetrag sanieren, steht für uns nicht die Frage der ökonomischen Sinnhaftigkeit im Vordergrund.

Sie haben eine regelrechte Transparenz-Offensive gestartet mit umfassenden Finanzberichten und Wirtschaftsplänen. Warum machen Sie das?

Schon: Abgesehen von der Veröffentlichung unserer Haushaltspläne waren wir über Jahrzehnte ausschließlich nach innen transparent. Das bedeutet, dass der von den Kirchengemeinden gewählte Kirchensteuerrat seit jeher alle Finanzdaten einsehen konnte und über aktuelle Entwicklungen im Detail informiert wurde. Die Veröffentlichung unserer Bilanz und damit aller Vermögensdaten war gewiss auch ein Lernprozess, der nicht zuletzt durch die Ereignisse im Bistum Limburg beeinflusst wurde. Bis dahin ist viel gemutmaßt worden über das Geld der Kirche. Insofern war die Offenlegung für uns auch sehr befreiend, da hierin eine große Chance liegt, in unseren Berichten detailliert aufzuzeigen, was wir mit dem Geld machen. Denn Vermögen war und ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck.

Unter dem Motto „Wege bereiten“ befassen Sie sich in Ihrem aktuellen Finanzbericht vor allem mit Bildung.

Schon: Seit den menschenverachtenden Zuständen insbesondere im Nahen Osten und der dadurch ausgelösten Flüchtlingsbewegung befassen sich alle Kirchengemeinden und kirchlichen Gruppierungen und selbstverständlich auch das Erzbistum Köln mit dem Schicksal von Flüchtlingen. Deshalb standen die vorherigen Berichte im Zeichen einer Willkommenskultur und haben gezeigt, was wir in den Gemeinden leisten, um diese Menschen, die viel Leid erfahren haben, aufzunehmen. Der nächste Schritt ist die Integration. Aus unserer Sicht sind Bildungsangebote die entscheidenden Faktoren. Das Ziel ist es, Menschen zu befähigen, sich Kompetenzen anzueignen, die ihnen helfen, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden. Wir blicken dabei aber nicht nur auf Flüchtlinge. Auch für sozial benachteiligte Menschen ist Bildung der Schlüssel zu einem erfüllten Leben. So ist unter anderem das Konzept einer „Schule für alle“ entstanden, in der wir Grundschüler, Hauptschüler und junge Erwachsene, die noch ganz ohne Schulabschluss sind, unterrichten wollen.

Die Niedrigzinsphase hält diesmal besonders lange an. Wie macht sich das bei Ihnen bemerkbar?

Schon: Wir haben eine Bilanzsumme von 3,3 Milliarden Euro. Von dieser Bilanzsumme ist inzwischen fast ein Drittel für die Absicherung von Pensionsverpflichtungen reserviert. Wir müssen immer mehr Kapital zurücklegen, um unsere Pensionsverpflichtungen zu erfüllen.

Wie reagieren Sie darauf mit Ihrer Anlagestrategie? Fachleute empfehlen, zu diversifizieren.

Schon: So agieren wir seit über 20 Jahren. Dennoch hat sich unsere Anlagestrategie in den letzten Jahren sukzessive immer weiter entwickelt in Richtung einer noch breiteren Diversifikation und damit eines ausgeprägten globalen Investmentfokus. Letztlich ist das aber kein Resultat der Niedrigzinsphase, sondern Ergebnis nüchterner Überlegungen, wonach nur durch eine solche Anlagestrategie die Risiken vernünftig abgefedert werden können. Dabei verfolgen wir das Ziel, unser Vermögen real zu erhalten und darüber hinaus eine angemessene Rendite zu erzielen. Gott sei Dank gelingt uns dies auch in diesem extremen Zinsumfeld. Zugegebenermaßen wird es aber immer schwieriger, ertragbringende Quellen aufzutun, die vom Risikoprofil her zu uns als langfristigem, konservativem Anleger passen und gleichzeitig auch ethisch vertretbar sind.

Was würden Sie Gemeinden in dieser Situation empfehlen?

Schon: Ganz klar: Sie sollten breit diversifizieren. Der erste Schritt muss aber sein, sich im Detail über das vorhandene Vermögen und dessen Risikogehalt klar zu werden und die finanzwirtschaftlichen Verpflichtungen auf Zukunft hin zu bewerten. Auf dieser Basis sollte man nach klugen Fondskonzepten Ausschau halten, die ein breites Anlagespektrum abdecken und von den Verwaltungsgebühren her nicht zu teuer sind. Selbstverständlich kommt man an einer vernünftigen Aktien- und Immobilienquote nicht vorbei. Aber auch Anleihen von solventen Staaten und Unternehmen dürfen nicht fehlen. All das gibt der Markt her. Die Pax-Bank beispielsweise hat mit dem Warburg Pax Substanzfonds ein sehr kluges Fondskonzept bereits vor Jahren aufgelegt, das speziell an den Anlagerichtlinien von Kirchengemeinden ausgerichtet ist. Dieser Fonds hat sich bisher sehr gut entwickelt und erwirtschaftet eine Rendite, die weit über dem liegt, was viele klassische deutsche Investoren mit Pfandbriefen und Staatsanleihen erreicht haben.