Anlagen

Wir nutzen verschiedene Bausteine

Interview mit Gregor Kuhl, Abteilungsleiter Asset Management

Seit mehreren Jahren schon sind die Zinsen denkbar niedrig, und daran wird sich auch auf absehbare Zeit nichts ändern. Warum das so ist und wie Anleger dennoch moderate Erträge erzielen können, erklärt Gregor Kuhl, Abteilungsleiter Asset Management bei der Pax-Bank.

Anlagen: Wir nutzen verschiedene Bausteine - Foto: Harald Oppitz/dreipunktdrei

Foto: Harald Oppitz/dreipunktdrei

Pax-Bank-Note: Herr Kuhl, warum hält die Niedrigzinsphase diesmal so lange an?
Kuhl: Das hängt mit der Politik der Notenbanken zusammen. Die Europäische Zentralbank, aber auch andere wichtige Notenbanken wie die Bank von England oder die Bank von Japan verfolgen konsequent eine Niedrigzinspolitik. Nur die US-Notenbank stemmt sich ein wenig dagegen. Hinzu kommt, dass global gesehen sehr viel gespart wird und wenig Nachfrage nach Geld in Form von Investitionen statt-findet. Das hält den Preis für Geld, also den Zins, niedrig.

Pax-Bank-Note: Warum handelt speziell die EZB so?
Gregor Kuhl: Die Konjunktur hat sich zwar in Europa moderat gebessert, aber die Lage ist noch immer so instabil, dass eine Anhebung der Zinssätze diesen Aufwärtstrend schnell wieder abwürgen könnte. Andererseits ist die Inflationsrate aus verschiedenen Gründen sehr gering, so dass die Gefahr einer steigenden Inflation durch anhaltend niedrige Zinsen einstweilen nicht besteht. Außerdem sind die Staatshaushalte in Europa sehr stark verschuldet. Würde die EZB ihre Zinspolitik ändern, würde das vor allem die südeuropäischen Länder in große Schwierigkeiten bringen.

Pax-Bank-Note: Der Rat der Anlageberater lautet derzeit immer: diversifizieren. Was bedeutet das genau? In welchen Bereichen kann man denn überhaupt noch Erträge generieren?
Kuhl: Die Pax-Bank nutzt hier verschiedene Bausteine, die je nach Bedarf des Kunden zu einem Paket geschnürt werden. So empfehlen wir unseren Kunden zum Beispiel, Unternehmensanleihen ins Portfolio aufzunehmen. Es kann auch sinnvoll sein, in andere Währungsräume zu gehen, weil dort das Zinsniveau zum Teil noch höher ist. Seit vielen Jahren sind wir außerdem im Bereich Mikrofinanzanlagen unterwegs. Ein zentraler Baustein ist schließlich der Aktienmarkt. Auch da gibt es starke Titel mit einer stabilen Dividende von bis zu vier Prozent. Immobilien runden das Portfolio ab.

Pax-Bank-Note: Viele Anleger haben aber Angst vor dem Aktienmarkt ...
Kuhl: In der Tat stehen viele Kunden in Deutschland dem Aktienmarkt reserviert gegenüber. Hier versuchen wir immer aufzuzeigen, dass bei einer geschickten Mischung der Anlageklassen das Risiko durchaus kontrollierbar bleibt.

Pax-Bank-Note: Muss man als Anleger heute generell risikofreudiger sein?
Kuhl: Das hängt vom Ziel ab, das ich mir setze. Wenn ich als Anleger mit einem geringen Ertrag zufrieden bin, muss ich nicht risikofreudig sein. Wenn ich aber höhere Erträge generieren will, dann muss ich die Risikoleiter gezwungenermaßen ein Stück weiter nach oben klettern.

Pax-Bank-Note: Wie sieht es denn für den kleinen Sparer aus, der nicht über einen großen Kapitalgrundstock verfügt? Kann der überhaupt diversifizieren?
Kuhl: An unseren Fonds können sich Privatkunden schon ab einer Einlage von 100 Euro beteiligen. Und der Fonds sorgt genau für die angesprochene Diversifizierung.

Pax-Bank-Note: Apropos Fonds: Um der Situation am Kapitalmarkt gerecht zu werden, hat die Pax-Bank kürzlich zwei Fonds zusammengelegt. Welche Vorteile bringt das für Anleger?
Kuhl: Es handelt sich hier um unsere zwei ältesten Fonds, den LIGA-Pax-K-Union und den LIGA-Pax-Rent-Union, die bislang sehr konservative Anlagen getätigt haben. Nun sind die Renditen gerade bei diesen Papieren sehr stark gefallen, sodass viele Anleger nach Kosten kaum noch Erträge hatten. Wir haben deshalb den LIGA-Pax-K mit dem Rent verschmolzen. Bei diesem wiederum haben wir das Anlageportfolio weiter aufgefächert, um wieder höhere Erträge zu erzielen.

Pax-Bank-Note: Zusätzlich wurde im Sommer der neue Fonds Warburg-Pax-Nachhaltig-Global aufgelegt. Was ist das Besondere an diesem Fonds?
Kuhl: Der Fonds beinhaltet einerseits eine globale Aktienquote, andererseits wurde die Rentenseite international aufgestellt, sodass die Anleger von den höheren Zinsen vor allem im Dollarraum profitieren. Alles in allem ergibt sich ein Strauß von etwa 100 Aktien und rund 200 Anleihen, alles breit gestreut, sodass das Risiko überschaubar bleibt. Alle Einzeltitel haben unseren bankeigenen Nachhaltigkeitsfilter durchlaufen, wir versuchen also Unternehmen zu vermeiden, die unserer Ansicht nach kontroverse Geschäftspraktiken verfolgen. Zu erwähnen ist schließlich, dass der Fonds eine sehr günstige Kostenstruktur aufweist.