Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung

Nicht nur Almosen verteilen

Die Filialen der Pax-Bank engagieren sich auf vielfältige Weise und oft weit über das eigentliche Bankgeschäft hinaus. In einer Serie beleuchten wir dieses Engagement. Im Fokus steht diesmal die Filiale Köln.

Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung: nicht nur Almosen verteilen - Foto: © Elisabeth Schomaker/dreipunktdrei

Rosi Gollmann und Elvira Greiner in den Räumen der Andheri-Hilfe Bonn - Foto: © Elisabeth Schomaker/dreipunktdrei

Als Richard Nobis gefragt wurde, ob er sich im Vorstand der neu gegründeten Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung engagieren wolle, da sagte er spontan zu. "Ich hatte Frau Gollmann bei einer Veranstaltung kennengelernt und war sofort fasziniert von ihrer Persönlichkeit", erinnert sich der Direktor der Kölner Pax-Bank-Filiale. Sich an ihrer Seite für die Armen und Rechtlosen in Indien und Bangladesch einzusetzen, dabei sein finanztechnisches Know-how einzubringen, das schien ihm eine äußerst reizvolle Aufgabe.

Knapp 15 Jahre ist das mittlerweile her, und bereut hat Nobis seine Entscheidung nie. "Gollmanns Stiftung ist sehr erfolgreich. Sie wächst kontinuierlich und hat eine beachtliche Größe erreicht", erzählt er. Eine Erklärung dafür hat der Filialdirektor auch: "Eine Stiftung braucht einen Motor, der sie am Laufen hält, und genau das ist Rosi Gollmann." Dass dieser Motor im 90. Lebensjahr steht, scheint kein Hinderungsgrund zu sein. Dem Engagement für die Menschen auf dem indischen Subkontinent hat Gollmann ihr Leben gewidmet. Und sie wird es fortführen, solange ihre Kräfte es ermöglichen.

Begonnen hat alles im Jahr 1959. Eine Schülerin zeigte der damals 32-jährigen Religionslehrerin einen Zeitschriftenartikel. Der Bericht über die Not indischer Findelkinder in einem Waisenhaus in Andheri bei Mumbai ließ Gollmann nicht mehr los. "Ich hatte immer auf eine soziale Aufgabe gewartet. Mit einem Mal wusste ich: Jetzt habe ich sie gefunden", erzählt die rüstige Seniorin. Und so beließ es Gollmann nicht bei einer Päckchenaktion. Sie reiste selbst nach Indien, um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. Zurückgekehrt, scharte sie Gleichgesinnte um sich – die Keimzelle des Vereins Andheri-Hilfe Bonn e.V., der 1967 das Licht der Welt erblickte.

Und Gollmanns Projekt entwickelte sich rasant. Aus der Wohnung ihrer Eltern musste man schon bald in eigene Räume umziehen. Verändert hat sich auch der Fokus: Neben den Waisenkindern nahm Gollmann schon bald weitere Personengruppen in den Blick, in Indien und später auch in Bangladesch: Frauen, Unberührbare, Blinde. Zurzeit fördert der Verein mehr als 200 laufende Projekte in beiden Ländern. Die Arbeitsanforderungen stiegen dabei so, dass Gollmann schon 1971 ihren Schuldienst auf die Hälfte der Pflichtstunden reduzierte und schließlich, erst 55-jährig, ganz aus dem Beruf ausschied. "Das fiel mir schwer, aber es musste sein."

Eines war Gollmann von Anfang an wichtig: Sie wollte keine Almosen verteilen, sondern den Menschen helfen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. "Heute ist Hilfe zur Selbsthilfe ein geflügeltes Wort", betont die 89-Jährige, aber damals war das ein völlig neues Konzept." Und so spricht Gollmann auch ungern von "Spendern" und "spenden". "Das klingt so von oben herab." Viel lieber sind ihr Wörter wie "fördern", "unterstützen" und "teilen".

Den Vorsitz des Vereins hat Gollmann 2001 in die Hände ihrer langjährigen Mitarbeiterin Elvira Greiner gelegt. Zwei- bis dreimal pro Jahr fährt sie seitdem nach Indien, besucht Projekte und Partner vor Ort. "Denn diese Partner sind unser wichtigstes Kapital." Aber auch Gollmann ist selbst als Ehrenvorsitzende weiter aktiv. Und sie steht der 2002 gegründeten Stiftung vor, mit der es ihr gelungen ist, besonders treue Spender noch enger und langfristiger an ihr Projekt zu binden. Diesen intensiven Kontakt zu den Förderern nennt Gollmann als eine der Besonderheiten der Stiftung: "Oft rufen uns die Leute an und erzählen uns ganz private Dinge." Und Greiner ergänzt: "Manchmal werden wir da zu Seelsorgerinnen."

Aktuell macht der Stiftung natürlich die Niedrigzinsphase zu schaffen. Die Erträge der vergangenen Jahre, so viel steht schon fest, können 2016 nicht erreicht werden. Doch gerade in diesen schwierigen Zeiten wissen sich Gollmann und Greiner bei der Pax-Bank in besten Händen. "Durch den engen Kontakt zu Herrn Nobis ist hier ein großes Vertrauen gewachsen", formuliert es Greiner. Zugleich hebt sie die ethisch orientierte Anlagepolitik der Bank hevor. "Das ist wirklich vorbildlich."

Im kommenden Jahr steht bei der Andheri-Hilfe ein großes Jubiläum an. Der Verein wird 50 Jahre alt, was Elvira Greiner nutzen will, um den Verein noch bekannter zu machen. Ein Baustein dazu soll ein großes Bühnenprogramm auf dem Bonner Münsterplatz am 6. Mai sein.