Unsere Verantwortung

Die Pax-Bank stellt hohe Anforderungen an die soziale und ökologische Nachhaltigkeit von Unternehmen, bevor sie in diese investiert. Die gleichen Maßstäbe möchte die Pax-Bank auch an ihr eigenes Handeln anlegen. Nur so kann sie als glaubwürdiger Partner und als überzeugter nachhaltiger Akteur auf dem Kapitalmarkt wahrgenommen werden.

Nachhaltigkeitsbericht (DNK-Erklärung)

Die Pax-Bank hat sich 2020 intensiv mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex beschäftigt und noch im Dezember 2020 ihre erste DNK-Entsprechenserklärung 2019 abgeschlossen. Dieser steht hier zum Download bereit.

Die Pax-Bank hat sich bewusst für den DNK als Rahmen für ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung entschieden, um dieser mit den 20 DNK-Kriterien einen festen Rahmen zu geben. Mit weniger als 500 Mitarbeiter*innen ist die Pax-Bank nicht dazu verpflichtet, geht aber bewusst diesen Schritt, um als nachhaltige Bank ein Zeichen für mehr Transparenz zu setzen und die Wirkungsbreite des DNK zu fördern. Die Pax-Bank ist der 644. Unterzeichner des DNK.

Ökologische Verantwortung der Pax-Bank

Die Pax-Bank ist eine christlich-nachhaltige Bank. Sie übernimmt Verantwortung für Mensch und Natur durch die nachhaltige Ausrichtung ihres Bankgeschäfts und ihres Bankbetriebs.

Die Pax-Bank arbeitet daran, ihren ökologischen Fußabdruck weiter zu reduzieren und damit das 1,5-Grad-Ziel aktiv zu unterstützen. Noch sind unsere Dienstfahrzeuge nicht klimaneutral, aber eine sukzessive Umstellung auf E-Autos wird angestrebt.

Unseren Energieverbrauch haben wir auf Naturstrom umgestellt, stellen gerade unseren Papierverbrauch auf Recyclingpapier um, lassen unsere Broschüren und den Geschäftsbericht klimaneutral drucken und erfassen alle Kilometer unserer Dienstreisen. Alle unvermeidbaren Emissionen werden kompensiert über unsere neue Partnerschaft mit dem kirchlichen Kompensationsfonds Klima-Kollekte. Das hat einen doppelten Effekt: Wir schaffen innerbetrieblich Bewusstsein für unseren ökologischen Fußabdruck. Gleichzeitig zeigen wir nach außen, dass wir Verantwortung für unsere Emissionen übernehmen und ganz im Sinne von „Laudato Si“ den Zusammenhang zwischen Umwelt- und Gerechtigkeitsfragen erkannt haben. 

Klimabilanz der Pax-Bank 2020

 

 

2018

2019

2020

Bereich

 

Verbrauch

CO2 t

Verbrauch

CO2 t

Verbrauch

CO2 t

Mobilität

km

gesamt

+ / -

855.238

159,0

772.557

124,3
- 22%

457.578

82,3

- 34%

Energie *

kWh

gesamt

+ / -

823.633

75,8

913.031

97,6

+ 9%

985.023

124,8
+ 27%

Papier

Blatt

gesamt + / -

 

 

1.319.000

8,17

575.000

4,7
- 42%

Druck-aufträge *

gesamt

   

 

3,5 t

 

16,0

Gesamt

 

+ / -

 

234,8

 

233,6

- 0,5%

 

227,8
- 2,5%

Kompen-sation €

 

 

5.400

 

5.372

 

5.695

                 

* Eingeschränkte Vergleichbarkeit wegen Erweiterung der erfassten Standorte bzw. Umstellung der Erfassungsmethode

 

Seit 2018 erfasst die Pax-Bank ihren jährlichen Ausstoß an klimaschädlichem CO2 im Rahmen einer Klimabilanz. Ziel ist es, den ökologischen Fußabdruck kontinuierlich zu verkleinern, indem sie ihre CO2-Emissonen reduziert oder – wo sie sich nicht vermeiden lassen – durch Ausgleichszahlungen an die Klima-Kollekte kompensiert.

2020 konnte die Pax-Bank ihre Gesamtemissionen gegenüber 2019 um rund 2,5 Prozent senken. Ein wichtiger Faktor war der Rückgang bei den gefahrenen und geflogenen Dienstkilometern, die um 33 Prozent auf 457.000 Kilometer sanken. Hier wirkte sich der corona-bedingte Wegfall von Veranstaltungen und die Umstellung von Präsenzterminen mit Kunden, Kollegen und Geschäftspartnern auf Videokonferenzen positiv aus.

Eine erhebliche Verringerung um rund 43 Prozent gelang im Bereich Papierverbrauch. Grund war die zunehmende Digitalisierung von Arbeitsprozessen, sowohl intern als auch im Kundenschriftverkehr. Corona und mobiles Arbeiten wirkten hier als Beschleuniger. Während Kundentermine und damit auch Dienstreisen nach Corona wieder zunehmen dürften, ist beim Papierverbrauch für 2021 mit weiteren Einsparungen zu rechnen.

Zugenommen haben dagegen die Emissionen in den Bereichen Energieverbrauch und Druckaufträgen. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass in der Bilanz für 2020 erstmals umfassend und konsistent sämtliche Verbräuche in allen sieben Filialen und über alle Energieträger (Strom, Gas, Fernwärme) erfasst wurden. Gleiches gilt für Druckerzeugnisse, die in den ersten beiden Jahren teils direkt durch die Druckereien kompensiert wurden.

Für 2021 sind weitere Anstrengungen geplant, die CO2-Emissionen zu senken, etwa durch die weitere Umstellung des Fuhrparks auf erneuerbare Energien.

Klima-Kollekte e.V. – Kompensationszertifikat 2020

Die Pax-Bank ist seit 2019 Partner des kirchlichen Kompensationsfonds Klima-Kollekte e.V. Die Klima-Kollekte erstellt die Klima-Bilanz für die Pax-Bank und verleiht ihr dafür ein Zertikat über die geleisteten Kompensationszahlungen, auch „Klimaschutzbeitrag“ genannt. Damit unterstützt die Pax-Bank ein Entwicklungsprojekt mit unmittelbarem ökologischen Bezug. Somit kann sie zielgerichtet das Leben und nachhaltige Wirtschaften von Menschen in einem Land des globalen Südens fördern.
Die Pax-Bank hat in 2020 einen CO2-Ausstoßes in Höhe von 234 Tonnen. Für diese Treibhausgasemissionen hat die Pax-Bank gemeinsam mit der Klima-Kollekte e.V. ein Kompensationsprojekt in Kamerun ausgewählt.

 

Allianz für Entwicklung und Klima – Jahresbericht 2020 mit Best-Practice-Beispiel Pax-Bank

Die Allianz für Entwicklung und Klima wurde 2018 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gegründet. Die Pax-Bank gehört seit Beginn zu den inzwischen über 1.000 Unterstützern aus den Bereichen Wirtschaft, Behörden und zivilgesellschaftliche Organisationen. Die Pax-Bank sieht in dieser Allianz die richtige Verbindung zwischen klimabewusstem Handeln und nachhaltiger Entwicklungspolitik. Ziel der Allianz ist es ja, den Energiehunger der Entwicklungsländer von Beginn an aus erneuerbaren Energien zu decken, damit die internationalen Klimaziele erreicht werden können.

Im vorliegenden Jahresbericht der Stiftung zeigt die Allianz für Entwicklung und Klima gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern und somit auch der Pax-Bank was sie auch in dem herausfordernden Jahr 2020 bewirken konnte und wo die Allianz wirksam ist.

 

Global Catholic Climate Movement – Katholische Bewegung für das Klima

Die Pax-Bank hat sich 2018 der weltweiten Divestment-Bewegung Global Catholic Climate Movement (GCCM) angeschlossen. Auslöser für die Gründung dieses Bündnisses war die 2015 veröffentlichte Enzyklika "Laudato si", in der Papst Franziskus seine "Sorge über das gemeinsame Haus", unsere Erde, zum Ausdruck gebracht und zu einem schnellen Umdenken in der Umwelt- und Klimapolitik aufgerufen hatte. In GCCM haben sich weltweit mehr als 650 katholische Institutionen zusammengeschlossen, die sich für einen Wandel in der Klimapolitik einsetzen, darunter auch die Pax-Bank. Die Divestment-Bewegung spricht sich dafür aus, Investments in Kohle-, Gas- und Ölunternehmen abzustoßen, um die Klimaerwärmung zu bremsen.

Naturstrom

Die Pax-Bank ist seit dem Jahr 2015 Kunde der NATURSTROM AG und deckt ihren Stromverbrauch zu 100% mit Ökostrom aus Wasserkraft. Seit 2015 erhält die Pax-Bank dafür auch jedes Jahr ein Zertifikat, aus dem eingesparten CO2-Emissionen im Vergleich zum deutschen Strommix und der Klimaschutzeffekt im Äquivalent von Bäumen angegeben werden.

E-Mobilität

Die Pax-Bank hat in ihrem Fuhrpark seit 2014 ein Elektroauto und setzt diesen aktuell überwiegend für Stadtfahrten innerhalb von Köln ein. Die Ausweitung des Anteils von Elektrofahrzeugen am gesamten Fuhrpark ist für das Jahr 2021 anvisiert.

Elektronischer Postkorb

"Tausche Kontoauszug gegen Baum": Unter diesem Motto hat die Pax-Bank im Frühjahr 2018 unsere Onlinekunden dazu aufgerufen, auf den elektronischen Postkorb umzustellen. Für jeden Kunden, der zum digitalen Kontoauszug wechselt, hat die Pax-Bank im Aktionszeitraum insgesamt 588 Bäume gepflanzt. In Zusammenarbeit mit PrimaKlima e.V. entsteht so in einer waldarmen Region in Mittelsachsen ein neuer Wald. 

treeday

Seit 2019 ist die Pax-Bank Partner von TREEDAY. TREEDAY ist eine Plattform für (umwelt)bewussten und nachhaltigen Konsum und verweist auf nachhaltig agierende Unternehmen. Die Pax-Bank ist hier mit ihren 7 Standorten in Deutschland vertreten und nimmt an der Aktion "Wir pflanzen 1 Millionen Bäume" teil.


Soziale Verantwortung der Pax-Bank

Der Umgang miteinander in der Pax-Bank ist geprägt von dem Bemühen um Wertschätzung jeder Person, von einem kooperativen Führungsstil, von der Verantwortung und von dem Engagement eines jeden Einzelnen für die Ziele der Bank.

Grundlage hierfür bilden der „Verhaltens-Kodex – Ein Leitfaden für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pax-Bank“ sowie der aktualisierte „Freiwillige Offenlegungsbericht gemäß Institutsvergütungsverordnung“.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Die Pax-Bank nimmt ihre Verantwortung als Arbeitgeber für insgesamt 175 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 4 Auszubildende/Trainees wahr (Stand: 31.12.2020). Von den 175 Beschäftigten sind 81 Frauen und 94 Männer.

Die Pax-Bank legt großen Wert auf die Qualifikation ihrer Mitarbeitenden. Im Jahr 2020 wurden insgesamt an 474 Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen (davon 129 Präsenzveranstaltungen und 345 Webinaren) teilgenommen, um sich im Interesse der Kunden fort- und weiter zu bilden.

Selbstverständlich achtet die Pax-Bank auf die Einhaltung der vier Grundprinzipien gemäß den ILO-Kernarbeitsnormen. Die Einhaltung der beiden ILO-Normen ‚Verbot von Zwangsarbeit‘ und ‚Verbot von Kinderarbeit‘ verstehen sich von selbst. Die beiden weiteren Normen ‚Vereinigungsfreiheit‘ und ‚Diskriminierungsverbot‘ werden ebenfalls strikt eingehalten. Die Pax-Bank ermöglicht ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Vereinigungsfreiheit in Form eines Betriebsrats und achtet auf die Verhinderung jeglicher Diskriminierung. Die tarifliche Eingruppierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgt nach Verantwortung, Qualifikation und Funktion; niemand wird wegen seiner Hautfarbe, Nationalität, Abstammung, seines Geschlechts, seiner Weltanschauung oder sonstiger persönlicher Eigenschaften benachteiligt.


Die Pax-Bank strebt eine Gleichverteilung der Geschlechter in allen Vergütungsgruppen an und hat das Ziel, auch in den hervorgehobenen Positionen mit und ohne Führungsverantwortung (Vorstand, Bereichs- und Teamleitung, Regionaldirektoren, Stabsstellen) den Anteil der Frauen von derzeit 20% auf mindestens 30% bis zum Jahr 2030 zu erhöhen. Es gibt ein klares Votum des Aufsichtsrats der Pax-Bank für eine Stärkung der Frauen, sowohl bezogen auf die Mitarbeiterinnen als auch auf den Anteil der Frauen in den Gremien der Bank (Aufsichtsrat, Regionalbeiräte, Ethik-Beirat). Im Ethik-Beirat gelang uns im letzten Jahr durch die Berufung von zwei weiteren Frauen die Erhöhung der Frauenquote auf 37,5%.

Die Bank ist familienfreundlich und ermöglicht sowohl Frauen als auch Männern Teilzeitlösungen über die gesetzlichen Regelungen hinaus. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Teilzeit werden in der Eingruppierung gegenüber Vollzeitbeschäftigten nicht benachteiligt. Frauen werden motiviert, Führungsaufgaben wahrzunehmen bzw. sich auf Führungspositionen zu bewerben. Jede Stelle der Bank wird innerbetrieblich ausgeschrieben.

Zur Nachwuchsförderung ist die Pax-Bank eine Kooperation mit der Alanus-Hochschule eingegangen. Jährlich kommen ca. 2-3 Studentinnen und Studenten der Studienrichtung Nachhaltige Betriebswirtschaftslehre für Praktika in die Pax-Bank. Außerdem besucht eine Gruppe von Alanus-StudentInnen zusammen mit Herrn Prof. Krämer einmal jährlich die Pax-Bank und bekommt für einen Tag einen Einblick in das Themenspektrum einer christlich-nachhaltigen Bank. Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit anderen Kirchenbanken und Spezialinstituten für ein Traineeprogramm zur Heranbildung von Nachwuchskräften mit den Schwerpunkten Finanzwirtschaft, ergänzt um sozialwirtschaftliche Themenstellungen.

Die Pax-Bank unterstützt ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Wahrnehmung ihres Ehrenamts.

Die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist der Pax-Bank ein Anliegen. Sie betreibt aktive Vorsorge für ihre Beschäftigten durch betriebliches Gesundheitsmanagement. Dazu gehören Angebote wie eine kostenlose Grippeschutzimpfung, Kostenbeteiligungen an rückendiagnostischen und therapeutischen Maßnahmen sowie regelmäßige Gesundheits-Check-ups für Führungskräfte. Daneben wird im Rahmen einer psychischen Belastungs-Prävention und zur Burn-out Vermeidung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein anonymer psychologischer Beratungsdienst angeboten. Weiterhin wird Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach längerem krankheitsbedingtem Ausfall eine schonende Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell angeboten.

 

Soziale Projekte und Spenden
Nachhaltige Beschaffung in der Pax-Bank

Bei ihrer Beschaffung achtet die Pax-Bank in allen Bereichen auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Die Beschaffung der Pax-Bank bezieht sich im Wesentlichen auf Strom, Papier, Büromaterial und IT-Hardware.

Die Pax-Bank ist seit 2012 Kunde der NATURSTROM AG und deckt ihren Stromverbrauch zu 100% mit Ökostrom aus Wasserkraft. Seit 2012 erhält die Pax-Bank dafür auch jedes Jahr ein Zertifikat, aus dem eingesparten CO2-Emissionen im Vergleich zum deutschen Strommix und der Klimaschutzeffekt im Äquivalent von Bäumen angegeben werden.

Die Pax-Bank bezieht Papier und Büromaterial überwiegend vom DG-Verlag und nutzt hier die beiden Nachhaltigkeitsinitiativen:

  • "Bewusst bestellen", d.h. Sammel- statt Einzelbestellungen, um somit Versandaufwand, Verpackung und Umweltbelastung zu reduzieren
  • das umfangreiche Öko-Sortiment, welches ausschließlich Produkte mit Umweltzertifizierung, also ressourcenschonende und qualitativ hochwertige Büro- und Werbeartikel aus recyceltem Plastik und nachhaltigem Holz umfasst. Die Pax-Bank hat bereits ihren gesamten Papierverbrauch im eigenen Haus auf Recyclingpapier mit dem Zertifikat "Blauer Engel" umgestellt.

Im Rahmen der Beschaffung über den DG-Verlag gehen wir davon aus, dass alle Lieferanten die ILO-Arbeitsnormen erfüllen.

Die Pax-Bank bezieht ihre IT-Hardware von der Fiducia & GAD IT AG. Gemeinsam mit der Fiducia & GAD IT AG und anderen nachhaltigen Banken arbeitet die Pax-Bank daran, sowohl die Druckstraßen der Fiducia & GAD IT AG als auch die Beschaffung von Software und insbesondere Hardware nachhaltiger zu gestalten. Dabei geht es neben der Umweltverträglichkeit der Produkte auch um soziale Kriterien, also die Einhaltung von Menschenrechten und ILO Kernarbeitsnormen in der Lieferkette.

Unsere Eigenanlagen
1. Grundsätze unserer Eigenanlagen (Treasury)

Wesentliches Element unserer Treasurystrategie ist ein breit diversifiziertes Eigenanlagenportfolio. Für uns gehören Ethik und Nachhaltigkeit im Geschäftsleben seit jeher zu unserem Selbstverständnis. Zentraler Bestandteil zur Sicherung von Ethik und Nachhaltigkeit und damit auch zur Vermeidung von Nachhaltigkeitsrisiken in unseren Eigenanlagen sind unsere ethisch-nachhaltigen Anlagekriterien. Diese berücksichtigen wir konsequent im Eigengeschäft sowie deckungsgleich im Anlage- und Empfehlungsgeschäft mit unseren Kunden. Es werden entsprechende Anlagerestriktionen und -ziele innerhalb der Vereinbarungen mit den Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG) und Assetmanagern definiert. Ein Anreizsystem, welches das Eingehen hoher Risikopositionen bei der Anlage honoriert, existiert nicht.

2. Ziele unserer Eigenanlagen

Das strategische Geschäftsfeld Treasury umfasst das Management von Liquiditäts- und Zinsänderungsrisiken auf Gesamtbankebene sowie das Management von Liquiditäts-, Marktpreis- und Adressrisiken im Bereich der Eigenanlagen. Dabei werden u.a. folgende Ziele verfolgt:

  • Ertragsgenerierung
  • Diversifikation des Gesamtbankprofils
  • Steuerung von Risikokonzentrationen
  • Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen und Regelungen
  • Ethisch-nachhaltige Investitionsentscheidung: Die Pax-Bank investiert nur in Anlagen, die ein Nachhaltigkeitsrating unter Berücksichtigung der Anlagekriterien ausweisen. Dies gilt allerdings nur eingeschränkt für illiquide Anlagen, z.B. Immobilien.
  • Umfassende Transparenz über mögliche Liquiditätsrisiken: Die Pax-Bank nimmt hier besondere Nachhaltigkeitsrisiken in den Blick und prüft, welche Umweltbedingungen einen nachhaltigen Einfluss auf die Liquiditätslage unserer Bank haben können. Vor diesem Hintergrund werden entsprechende Stressszenarien abgeleitet.

3. Nachhaltige Ausrichtung unserer Eigenanlagen – Grundsätzliches

Wir haben für unsere Eigenanlagen die Assetklassen Staatsanleihen, Pfandbriefe/Covered Bonds ergänzt um die Subassetklasse DKK-Covered Bonds, Verbundware, Bankanleihen, Unternehmensanleihen, High Yield Bonds, Emerging Market Bonds, Aktien, Immobilien und Infrastruktur definiert.

 

Wir investieren bei Aktien und Renten ausschließlich in Emittenten, die durch den bankspezifischen Filter als nachhaltig klassifiziert sind. Externe Manager erhalten zur Prüfung der Erwerbbarkeit von Titeln regelmäßig eine Positivliste. Green Bonds sind Bestandteil des bankspezifischen Filters und bei Erfüllung der Kriterien auch der Positivliste, so dass wir auf eine explizite Strategie mit dem Ziel ausschließlich in Green Bonds zu investieren verzichten.

 

Immobilien- und Infrastrukturfonds werden über den Filter nicht abgedeckt. Unser Anspruch ist es, dass auch diese Produkte einen nachhaltigen Nutzen mit Blick auf ESG stiften. Bei Immobilien kann dies beispielsweise die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs oder der Ausschluss von Luxusmietwohnungen und somit der Fokus auf bezahlbares Wohnen sein. Alle Immobilienfonds im Eigenbestand nehmen das Thema Nachhaltigkeit ernst. Aktuell haben sich erst wenige Fonds als ein Artikel 8-Fonds gemäß Offenlegungsverordnung klassifiziert. Alle Bestandsimmobilienfonds verfolgen die Klassifizierung. Wir stehen dazu mit unseren Investmentmanagern im engen Kontakt, um der Bedeutung Nachdruck zu verleihen. Bei weiteren Immobilieninvestitionen werden wir auch Artikel 9-Fonds in die Auswahl einbeziehen. Jedoch ist das Produktangebot bei den gesuchten Fondsstrategien zum aktuellen Zeitpunkt noch eingeschränkt.

 

Unter der handelsstrategischen Immobilienposition werden indirekte Investitionen in Form von Fondsinvestments verstanden. Immobilien im Direktbesitz dienen ausschließlich bankbetrieblichen Zwecken und sind nicht Teil der strategischen Immobilienposition im Rahmen der Gesamtbank-Asset Allocation. Darüber hinaus wurde mit den Erstinvestitionen in der Assetklasse Infrastruktur begonnen, unter der auch die Themen erneuerbare und alternative Energien zu subsummieren sind.

4. Nachhaltige Ausrichtung unserer Eigenanlagen – Bestand per 31.12.2020

Unsere Eigenanlagen lassen sich per 31.12.2020 in zwei Kategorien zusammenfassen:

 

Den größten Anteil mit über 81,61 % stellen nachhaltige Anleihen und Aktien dar, die von MSCI ein entsprechendes Nachhaltigkeitsrating haben und unseren ethisch-nachhaltigen Anlagekriterien entsprechen. Hierzu zählen auch die Eigenanlagen in die hauseigenen Fonds. In diesen Fonds werden die Pax-Bank-Kriterien vollumfänglich umgesetzt.

 

Besondere Hinweise:

  • Am Stichtag wurden in den von uns beeinflussbaren Fonds Bestände von den Emittenten Banco Santander SA und Ungarn gehalten, die nicht den Anlagekriterien entsprachen. Die Positionen wurden zwischenzeitlich verkauft.
  • Zudem sind wir in einem Publikumsfonds für Dänische Covered Bonds investiert, der Bestände von Realkredit Danmark hält. Die Einstufung von MSCI als „unacceptable“ ist mit den Geldwäscheereignissen bei der Konzernmutter Danske Bank zu begründen. Wir erachten bei Realkredit Danmark jedoch eine differenzierte Betrachtung als zielführend. In Dänemark dürfen dinglich besicherte Kredite nur von für diesem Zweck gegründete Hypothekenbanken vergeben werden. Die Kredite dürfen nicht auf die Bankbilanz genommen werden, sondern müssen über den Kapitalmarkt refinanziert werden (1:1-Prinzip). Der Geschäftszweck der Realkredit Danmark ist einzig die Vergabe von Hypothekenkrediten. Somit trägt sie maßgeblich dazu bei, dass Dänen ihre Immobilien finanzieren können, was aus unserer Sicht einen nachhaltigen positiven Effekt für die dänische Gesellschaft liefert. Daher halten wir an dem Fonds fest. Insgesamt betrug Ende 2020 der Anteil an nichthaltigen Positionen 0,45 Prozent.

 

Die zweitgrößte Position mit 17,94 % stellen Real Assets dar. Darunter werden die Investitionen in indirekte Immobilien- und Infrastrukturanlagen subsumiert. Immobilienfonds bewerten wir im aktuellen Umfeld weiter als attraktiv, auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten. Durch gesetzliche Anforderungen werden für die Produkte Nachhaltigkeitsberichte aufgebaut und zum Teil auch explizite Ratings beauftragt oder eine GRESB-Bewertung vorgenommen.

 

Besondere Hinweise:

  • Einige Fonds setzen sich zudem bei Neubauprojekten intensiv mit nachhaltigen Baustoffen auseinander.
  • Der Schwerpunkt der Nutzungsart der Immobilienfonds liegt auf bezahlbaren Wohnraum. In den Anlagen findet geförderter Wohnraum ebenfalls Berücksichtigung. Diese Ausrichtung unterstützt das Bedürfnis nach Wohnen, das im Einklang mit unserem Nachhaltigkeitsverständnis steht.
  • In der Vermögensklasse Infrastruktur ist die Bank in einem Produkt investiert, welches in europäische Erneuerbare Energien-Projekte investiert. Damit verfolgen wir das Ziel, aktiv die Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu unterstützen.
5.1. Länderstruktur der Eigenanlagen per 31.12.2020

Unsere liquiden Eigenanlagen waren am 31.12.2020 in einer Vielzahl von Ländern (Risikoland, basierend auf KVG-Angaben) investiert. Nachfolgend werden nur Anlagen und Fonds betrachtet, in die wir direkt investiert sind, nicht aber Fonds in Fonds.

Länder:

Australien, Belgien, Bermuda, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Curacao, Dänemark, Deutschland, Elfenbeinküste, Estland, Europäische Union, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Indien, Indonesien, Irland, Island, Italien, Japan, Jersey, Kaimaninseln, Kanada, Kroatien, Lettland, Liberia, Litauen, Luxemburg, Mexiko, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Slowenien, Spanien, Südafrika, Südkorea, Ungarn, Uruguay, USA, Venezuela und Zypern

Aus Vereinfachungsgründen wird die prozentuale Verteilung der Top 15 dargestellt:

Prozentuale Verteilung der Top 15 Länder nach Branchen

Prozentuale Verteilung der Top 15 Länder nach Branchen
Diese Grafik zeigt, dass die Eigenanlagen schwerpunktmäßig in Deutschland (53,2 %) und in den USA (16,1 %) investiert sind. Auf die restlichen Länder entfallen Anteile zwischen 0 und 4 %.
5.2. Branchenstruktur der Eigenanlagen per 31.12.2020

Unsere liquiden Eigenanlagen waren am 31.12.2020 in einer Vielzahl von Branchen investiert. Nachfolgend werden nur Anlagen und Fonds betrachtet, in die wir direkt investiert sind, nicht aber Fonds in Fonds.

Branchen:

Automobile, Basiskonsumgüter, Covered Bonds, Dienstleistungen, DKK-Pfandbrief, Einzelhandel, Energie, Finanzsektor, Freizeit, Gesundheitswesen, Grundstoffindustrie, Handel und Dienstleistung, Immobilien, Industrie, Investitionsgüter, IT, Konsumgüter, Medien, Nicht-Basiskonsumgüter, Roh-, Hilfs- u. Betriebsstoffe, staatlich garantiert, Staatsanleihen, Technologie & Elektronik, Telekommunikation, Transportwesen, Versicherung und Versorger

Aus Vereinfachungsgründen wird die prozentuale Verteilung der Top 15 dargestellt:

Prozentuale Verteilung der Top 15 Branchen nach Ländern

Prozentuale Verteilung der Top 15 Branchen nach Ländern
Nach Staatsanleihen und Covered Bonds sind unsere Eigenanlagen schwerpunktmäßig in den Branchen Finanzsektordienstleistungen, staatlich garantierte Anleihen und Telekommunikation investiert.
6. Nachhaltigkeits-Check unserer Eigenanlagen – neu ab 2021

Die Pax-Bank bietet seit 2021 ihren Kunden einen Nachhaltigkeits-Check für ihre individuellen Portfolien an. Dieser Nachhaltigkeits-Check bietet einen Kurzüberblick über:

  • Umsätze in kontroversen Geschäftsbereichen
  • Nachhaltigkeitsrating gegenüber einem Vergleichsindex
  • CO2-Emissionen des Portfolios
  • Beiträge zu nachhaltigen Geschäftsfeldern im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG)

Diesen Nachhaltigkeits-Check wenden wir nun auch für unsere Eigenanlagen an, gehen hierbei jedoch schrittweise vor. Die Pax-Bank arbeitet mit klar definierten Ausschlusskriterien und einem Best-in-Class-Ansatz. Dieser doppelte Anlagefilter stellt sicher, dass die

  • Umsätze in kontroversen Geschäftsbereichen entweder gänzlich ausgeschlossen werden (durch Ausschlusskriterien mit einer Null-Toleranz-Grenze) oder aber nur bis zu einer definierten Toleranzschwelle zugelassen werden
  • Nachhaltigkeitsratings die Mindestnote B erfüllen müssen und damit (auf der MSCI-ESG-Research-Notenskala von AAA bis CCC) Unternehmen mit einem Rating CCC ausgeschlossen werden.

Die beiden weiteren Kennziffern für Nachhaltigkeit, CO2-Emissionen und SDG-Beitrag, erheben wir aktuell für unsere Eigenanlagen erstmalig. Da diese Kennziffern aber noch keine Steuerungsgrößen darstellen, sondern lediglich dem internen Monitoring dienen, werden diese noch nicht öffentlich berichtet.

Die Pax-Bank arbeitet daran, das Thema CO2-Emissionen stärker in einer Zukunftsperspektive zu analysieren. Die aktuellen Kennziffern geben nur den Ist-Stand der Emissionen an, blenden aber die Transformationsfähigkeit der Unternehmen in Richtung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft aus. In unserer Geschäfts- und Risikostrategie bekennen wir uns zum 1,5-Grad-Ziel und entwickeln für unser Anlagengeschäft aktuell Instrumente zur Umsetzung dieses Ziels.

Auswertungsergebnisse aller Portfolien der Eigenanlagen per 09-2021:

  • Der gewichtete durchschnittliche ESG-Score aller Portfolien liegt durchgängig bei A.
  • Unternehmen mit einem ESG-Score von AA, A und BBB bilden den größten Anteil der Portfolien.
  • Einzelne Unternehmen erreichen einen ESG-Score von AAA, wenige nur BB bzw. B.
  • Unternehmen, die nur die Mindestnote B erfüllen, werden von uns als Kandidaten für einen Engagement-Dialog identifiziert.
  • Die Ausschlusskriterien werden umfänglich eingehalten.
  • Unternehmen, die mit einem kontroversen Geschäftsfeld nahe an der Toleranzschwelle liegen, werden einem speziellen Monitoring unterzogen.
Das Bewertungssystem von MSCI ESG (Bildquelle: msci.com)
Globale Verantwortung: IIV Mikrofinanzfonds

Als christlich-nachhaltiges Geldinstitut sieht sich die Pax-Bank auch in einer globalen Verantwortung gegenüber Natur und Mensch. Um die Welt gerechter zu gestalten und die weltweite Armut zu verringern, bietet die Pax-Bank den Invest-in-Visions (IIV) Mikrofinanzfonds an, und somit eine Anlageform, die nicht nur eine finanzielle, sondern ebenfalls soziale Rendite erwirtschaftet.

1. Grundlagen: Was steckt hinter der Idee von Mikrofinanz?

Viele Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern haben keine oder nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Das größte Hindernis ist häufig der fehlende Zugang zu Finanzdienstleistungen. Dabei sind tragfähige Ideen und oft auch das notwendige unternehmerische Wissen und Können durchaus vorhanden.

Mikrofinanz schließt diese Lücke. Ein Mikrofinanzfonds sammelt Geld von Anlegern und gibt dieses weiter an Mikrofinanzinstitute (MFI) mit Sitz in Entwicklungs- und Schwellenländern. Das investierte Kapital ermöglicht es den spezialisierten MFIs Kleinstkredite zu vergeben, überwiegend an finanziell schwache Menschen mit tragbaren Geschäftsideen, die vom traditionellen Finanzmarkt ausgeschlossen sind. Typische Kreditnehmer mit Kleingewerbe sind beispielsweise Gemüsehändler/innen, Schneider/innen, Viehzüchter/innen und Handwerker/innen, die Saatgut, Werkzeuge, Materialien oder andere Rohstoffe kaufen oder finanzielle Engpässe, beispielsweise durch Dürreperioden, überbrücken müssen.

Der hohe Anteil von Frauen und überdurchschnittlich hohe Rückzahlungsquoten sind zwei typische Charakteristika bei der Vergabe von Mikrofinanzkrediten. Somit wird neben der Armutsbekämpfung auch die weltweite Emanzipation der Frau unterstützt und gefördert.

Mikrokredite bieten damit den mittellosen, aber wirtschaftlich aktiven Menschen in Entwicklungsländern die Chance, Geld zu fairen Konditionen zu leihen und damit die Grundlage für ihre Selbstständigkeit zu schaffen. Dies bedeutet für viele häufig die Chance auf ein besseres und finanziell freieres Leben. Solche Erfahrungen entfaltet vielfach eine große Wirkung: Die Lebensbedingungen der gesamten Familie verbessern sich und der Mikrofinanznehmer wird zum Vorbild für andere Menschen mit guten Geschäftsideen. Mikrofinanzkredite sind damit ein Instrument der „Hilfe zur Selbsthilfe“ und für die internationale Entwicklungsarbeit von entscheidender Bedeutung.

2. Wie funktioniert der Investmentprozess bei Mikrofinanzfonds?
3. Wo kommen Mikrofinanzkredite zum Einsatz?

Nach aktuellem Stand (April 2020) ist der IIV Mikrofinanzfonds in 33 Ländern investiert:

  • Moldawien
  • Kirgisische Republik
  • Kasachstan
  • Albanien
  • Kambodscha
  • Ägypten
  • Mongolei
  • Bangladesch
  • Bosnien und Herzegovina
  • Pakistan
  • Armenien
  • Tadschikistan
  • Usbekistan
  • Indien
  • Georgien
  • El Salvador
  • Indonesien
  • Mauritius
  • China
  • Ghana
  • Kenia
  • Haiti
  • Kongo
  • Peru
  • Bolivien
  • Ecuador
  • Nicaragua
  • Chile
  • Mexico
  • Myanmar
  • Guatemala
  • Paraguay
  • Panama
  • Honduras
  • Zambia
4. Wieso ist die Rückzahlungsquote bei Mikrofinanzkrediten so hoch?

Die Rückzahlungsquote bei Mikrokrediten ist, besonders im Vergleich zu klassischen Krediten, mit oftmals über 90 Prozent sehr hoch. Befürworter von Mikrokrediten fühlen sich durch die hohe Quote in ihrer Annahme bestärkt, dass auch finanzschwache Menschen verlässlich ihre Kredite zurückzahlen und damit bankfähig sein können, obwohl sie für klassische Banken keine Sicherheit anbieten können.
Die Gründe für die hohe Rückzahlungsquote sind vielfältig. Der Hauptgrund wird in der Einbindung der Klienten in eine Kreditnehmergruppe gesehen, die sich regelmäßig trifft und deren Mitglieder füreinander bürgen. Sollte ein Klient nicht in der Lage sein, den Kreditrückzahlungen nachzukommen, müssen die anderen Gruppenmitglieder den Ausfall begleichen. Durch den Druck, der so auf den einzelnen Gruppenmitgliedern lastet, erhöhen sich die Rückzahlungsanstrengungen der Klienten: Die Mitglieder haben ein gegenseitiges Interesse daran, dass die verschiedenen Geschäftsmodelle erfolgreich sind und unterstützen sich deshalb gegenseitig bei entstehenden Problemen. Die Bildung von solchen Gruppen sowie der Gruppenhaftung, die auch Joint Liability genannt wird, beinhaltet eine sehr starke Rückzahlungsmotivation und begründet so die hohen Rückzahlungsquoten.
Ein weiterer Grund liegt darin, dass die Klienten von den betriebswirtschaftlichen Schulungen, die ihnen häufig im Zuge der Kreditvergabe angeboten werden, profitieren. Hierbei lernen die Kreditnehmer einfache, kaufmännische Grundlagen sowie verschiedene Arbeitstechniken kennen, die ihnen dabei helfen, ein gewinnbringendes Kleinunternehmen aufzubauen.
Darüber hinaus kann erst bei erfolgreicher Rückzahlung des ersten Kredites ein weiterer Kredit beantragt werden. Dies ist ein zusätzlicher Ansporn für die Klienten, denn mit jedem weiteren und damit höheren Kredit, kann das kleine Unternehmen weiterwachsen.
Zuletzt ist für eine hohe Rückzahlungsquote entscheidend, dass Mikrofinanzbanken und Mikrofinanzinstitute die Geschäftsmodelle ihrer potentiellen Klienten vor der Vergabe eines Kredites daraufhin überprüfen, ob sich eine Geschäftsidee unter den gegebenen Umständen umsetzen lässt und Erfolg verspricht. Erst im Anschluss daran wird entschieden, ob ein potentieller Klient einen Mikrokredit bekommt, wie hoch ein solcher für die Umsetzung der Geschäftsidee sein sollte und welche Rückzahlungsintervalle und -raten mit Blick auf die zu erwartenden finanziellen Einnahmen des Klienten sinnvoll sind.

5. Worin ist die hohe Frauenquote begründet?

Mikrokredite gelten als wichtiges Instrument, um Frauenrechte in Entwicklungsländern zu stärken. So ist es nicht verwunderlich, dass die Mehrheit der Kreditnehmer weiblich ist. Unter den ärmsten Kreditnehmern stellen sie einen Anteil von 85% dar. In Gesellschaften, in denen Frauen von Bankgeschäften und dem allgemeinen Geschäftsleben größtenteils ausgeschlossen werden, eröffnen Mikrokreditinstitutionen eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Diverse Studien bestärken die Vergabe von Krediten an Frauen, die laut der International Labour Organisation einen großen Teil des informellen Wirtschaftspotenzials darstellen. So scheinen Frauen das geliehene Geld konservativer zu investieren und erreichen damit eine zuverlässigere Rückzahlung an die Mikrokreditinstitutionen als Männer.
Frauen werden durch Mikrokredite dabei unterstützt, ihr eigenes Kleinunternehmen aufzubauen oder zu erweitern. Dadurch erhöhen sie ihren Beitrag zum Haushaltseinkommen und verbessern somit ihre Stellung und ihr Mitspracherecht im familiären Gefüge. Dies stärkt das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl der Teilnehmerinnen. Da Frauen das verdiente Geld nutzen, um das Wohlergehen ihrer Familie zu fördern, verbessert ein Mikrokredit die Lebensumstände des gesamten Haushalts. Die Weltbank argumentiert sogar, dass ein Dollar, der an eine Frau verliehen wird, eine größere Entwicklungswirkung hat, als ein Dollar, der an einen Mann verliehen wird.
Somit wird die Position innerhalb der Gesellschaft, aber auch das Selbstbewusstsein der betroffenen Frauen gestärkt. Für die Kreditnehmerinnen zählt zu allererst die Anerkennung, die der Kredit bringt. Früher durften sie in vielen Regionen der Welt keinen Fuß in eine Bank setzen, inzwischen läuft ihnen die »mobile« Bank im Dorf hinterher. Sie sind stolze Besitzerinnen von SMART-Cards als Ausweis für die Teilhabe an der Moderne. Mit der SMART-Card als moderner Finanzdienstleistungstechnologie nehmen die MFI-Agenten an der Haustür Einzahlungen und Auszahlungen vor. Das nahezu flächendeckende Angebot von Krediten, mit denen die Frauen sich eigenverantwortlich aus der Armut befreien sollen, konstruiert auch ein neues Konzept der Bürgerschaftlichkeit: Frauen haben ein Recht auf einen Kleinkredit, zahlen ihn pflichtbewusst zurück und sind damit als Produzentin und Konsumentin am Markt anerkannt. Die betroffenen Frauen erlernen Selbstregulierung und werden als selbstverantwortliche Subjekte, „disziplinierte Schuldnerinnen“ und erwerbsorientierte Armutsbekämpferinnen in die Gesellschaft integriert.
Deswegen wundert es nicht, dass Erfahrungen aus der Praxis einen Trend zu bestätigen scheinen, dass sich eher Frauen als Männer um die Versorgung der eigenen Familie kümmern, mehr Verantwortungsgefühl für andere Menschen zeigen und sehr verlässlich sind. Sie bemühen sich ihre kleinen Unternehmen erfolgreich zu führen, um ihrer Familie eine bessere Versorgung zukommen zu lassen. Da Frauen zudem weltweit benachteiligt werden, nutzen Frauen diese ihnen endlich gebotene Chance und zahlen die Raten regelmäßig zurück, um mit Stolz auf ihr Unternehmen blicken zu können.

6. Beispiele aus der Praxis

Familie Nert aus Kambodscha
In der von Landwirtschaft geprägten Provinz Prey Veng an der vietnamesischen Grenze lebt die junge Frau Touch Nert mit ihrer Familie. Gemeinsam mit ihrem Ehemann nahm Touch 2011 ihr erstes Darlehen über 125 US-Dollar beim Mikrofinanzinstitut KREDIT auf. Das Darlehen wurde in den Reisanbau und den Kauf von Ferkeln investiert. Durch den Erlös aus der Reisernte und der Viehzucht konnten die Kleinbauern einen weiteren Kredit aufnehmen und zusätzliche Einnahmequellen erschließen. Aus einem Shop zum Aufladen von Telefon-Akkus wegen des schwierigen Zugangs zu Elektrizität entwickelte sich bald ein erfolgreicher kleiner Lebensmittelladen. Dadurch ist Familie Nert heute in der Lage, ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften und ihren Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen, die ihnen eine chancenreiche Zukunft ermöglicht.

FRAU BADAMTSETSEG, MONGOLEI
Frau Badamtsetseg betreibt mit ihrem Mann und zwei Kindern einen Gemüsevertrieb. Sie nahm ihren ersten Kredit im März 2013 von der XacBank auf und nutzte ihn für die Erweiterung des Betriebsgeländes und den Ausbau ihres Geschäfts. Dadurch konnte sie drei Arbeitsplätze schaffen. Die XacBank half Frau Badamtsetseg durch Managementtraining für Kleinstunternehmer, ihre Kenntnisse in der Betriebsführung zu stärken. Sie sagt: „Die XacBank ist eine große Unterstützung für meine Firma und Familie. Durch den Kredit konnte mein Geschäft wachsen und ich kann die lokale Gemeinde mit frischer und gesunder Nahrung beliefern.“ In Zukunft will sie ihr Unternehmen weiter vergrößern, um umweltfreundlicher und nachhaltiger zu arbeiten.

ANGÉLICA, EL SALVADOR
In der Nähe der Hauptstadt San Salvador lebt Angélica mit ihren drei Kindern und ihrer Mutter Doris. Um den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen, stellt die alleinerziehende Mutter Schmuckstücke her, die sie sowohl an Einheimische als auch an Touristen verkauft. Sie konnte mit Hilfe eines Anfangskredits des Mikrofinanzinstituts ENLACE in Höhe von 200 USD die notwendigen Materialien einkaufen. Durch den Verkauf ihrer Arbeiten war es Angélica bereits nach 6 Monaten möglich, diesen Kredit zurückzuzahlen. Über Nachfolgekredite kauft sie bei Bedarf zusätzliches Material und ist so nicht nur in der Lage, das Einkommen für die gesamte Familie zu sichern, sondern auch ihr Geschäftsfeld auszubauen und ihren Lebensstandard nachhaltig zu verbessern.

MARCO UND MARLENE AYALA, ECUADOR
Marco und Marlene Ayala aus Quito stellen Kartoffel- und Bananenchips her. Sie betreiben ihr Geschäft bereits seit 20 Jahren und haben inzwischen vier Angestellte. Marlene hat diese Tätigkeit von ihren Großeltern übernommen und ausgebaut. Die Chips werden unter der Marke „Snacks Gabby“ vertrieben und sind mittlerweile sehr begehrt, da sie eine Zertifizierung erhalten haben. Mit einem Kredit in Höhe von 7.000 US-Dollar des Mikrofinanzinstituts BANCO SOLIDARIO konnte das Ehepaar einen Pick-up kaufen. Dadurch sind sie in der Lage, die benötigten Rohstoffe sowie die gefertigten Waren zu transportieren und die Expansion voranzutreiben. Durch ihre Tätigkeit gelang es ihnen bereits, ein Haus zu bauen und ihren vier Kindern eine gute Schul- und Ausbildung zu ermöglichen.

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7. Corona-Auswirkungen auf Mikrofinanz

Die Corona-Krise hat längst auch die Schwellen- und Entwicklungsländer erreicht – also jene Länder, in denen Mikrofinanzfonds ihre Kredite vergeben. Die Kurse der Fonds geben folglich nach. Allerdings offenbar nicht in erster Linie, weil Endkunden ihre Kreditraten nicht mehr bezahlen können.
Nach ECOreporter-Recherchen haben alle großen - in Deutschland zugelassenen -Mikrofinanzfonds im März und April an Wert verloren. Der IIV Mikrofinanzfonds der Invest in Visions büßte im April 2,55 Prozent ein.
Nach dem aktuellen Monatsbericht des IIV Mikrofinanzfonds liege der Grund dafür in den signifikanten Wertabschlägen durch die Verwendung eines Bewertungsmodells, das neben Finanzkennzahlen der MFIs (Mikrofinanzinstitute) überproportional Länderrisiken anhand von Staatsanleihen berücksichtige. Insgesamt weisen die Staatsanleihen in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern momentan deutlich erhöhte Risikoprämien auf, die wie im Fall von Ecuador, dazu führen, dass Positionen in Mikrofinanzfonds aufgrund von Vorsichtsmaßnahmen neu bewertet wurden.
Positiv hervorzuheben ist, dass die negative Wertentwicklung im April im Wesentlichen nicht aus tatsächlichen Kredit- oder Zinsausfällen resultierte, sondern eine rein präventive Wertberichtigung darstellt. Wichtig ist, dass es sich dabei nicht um Abschreibungen handelt, sondern um eine auf dem Vorsichtsprinzip basierende Anpassung. Ohne diesen Sondereffekt läge die monatliche Performance bei circa +0,10 Prozent.


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